|
Man schrieb das Jahr 1925. Die Zeiten der politischen Wirren und die Inflation waren fast vergessen. Im Mai 1925 entschlossen sich Josef Althausen, Peter Bong, Wilhelm Bong, Hermann Josef Bong, Karl Fingerhuth, Hubert Hardt, Hansen & Söhne, Josef Schäfer, Josef von Sturm, Willi von Sturm, Heinrich Ubach, Hubert Ubach, Josef Kümpel, Hubert Wolfgarten, Engelbert Zimmermann, Jakob Winterscheidt und Peter Zimmermann, die Odendorfer Karnevalsgesellschaft zu gründen. Diese Karnevalisten veranstalteten Kappenbälle, Preismaskenbälle und sonstige Vergnügungen in der Karnevalszeit. Ein Straßenkarneval im heutigen Sinn mit Prinzenpaar und Rosenmontagszug gab es noch nicht. Lediglich zog ein Schreckgespenst unter dem Namen Ärzebär zur größten Freude der Kinder durch den Ort. Veranstalter waren meist arbeitslose Einwohner, die sich bei der Gelegenheit auch ein Scherflein “am Fenster vorbei” erbaten, um sich damit den Lebensunterhalt etwas aufzubessern. Dieser Ärzebär wurde mit trockenem Erbsenlaub umwickelt, das mit Kordeln befestigt war. Der Bärentreiber legte ihm dann noch eine Kette um die Taille, und das Gespann war gebrauchsfertig für den Straßenumzug. Der Ärzebär beteiligte sich aber auch bei den Karnevalsbällen, und es war besonders für die jüngeren Damen ein “€gruseliges” Erlebnis mit dieser Karnevalsfigur zu tanzen. Diese Art des karnevalistischen Treibens blieb in den folgenden zwei Jahrzehnten nahezu unverändert. Der erste Odendorfer Karnevalszug wurde 1939 organisiert. Zur Freude der Kinder wurden Kamelle geworfen. Vom Beginn des Krieges bis 1949 kam es zu keinen karnevalistischen Veranstaltungen. Dies lag u.a. auch an dem damaligen menschenverachtenden System.Im Winter 1949 treffen sich in der Bahnhofsgaststätte bei Paul Ratz: Josef von Sturm, Wilhelm von Sturm, Engelbert Zimmermann, Heinrich Vornhagen, Hubert Schmitz, Heinrich Zimmermann, Willi Pick. Diese Gruppe beschließt, für Odendorf und Essig die KG neu zu beleben. Dabei soll es nicht, wie vor dem Kriege, bei Saalveranstaltungen bleiben. Es wird der Rosenmontagszug als fester Bestandteil des Karnevals vorbereitet sowie ein Prinzenpaar für 1950 gekürt. Neu hinzu kommt auch ein Elferrat. Im Jahre 1967 wurde eine Damentanzgarde gegründet. Diese fand so viel Anklang, dass bald auch schon eine “Mittlere” und eine Kindertanzgarde bei den Karnevalsveranstaltungen auftreten konnten. Man hatte erkannt, dass auch ein Karnevalsverein ohne Kinder und Jugendliche keine Zukunft hat und freute sich deshalb besonders über diese Entwicklung. 1975 feierte die KG drei Tage lang ihr fünfzigjähriges Vereinsjubiläum im Festzelt auf dem Zehnthofplatz. Die Dorfbevölkerung nimmt an allen Veranstaltungen regen Anteil. So traten neben Heino Conty (Haifischbar) die Sieger der Karnevalistischen Hitparade des WDR ”Die Bläckfööss” auf. Die Feier endete mit einem Höhenfeuerwerk. Das 60-jährige Jubiläum wurde 1985 im Dorfsaal gefeiert. Beim “€Rheinischen Abend” am 14.9.1985 platzte der Dorfsaal aus allen Nähten. Spitzenkräfte des rheinischen Karnevals, u.a. “De Höhner”, das “Colonia Duett”, “Die 3 Colonias” und die “Vier Sterneburger” sorgten für Stimmung. Vom 30. 6. bis 2. 7. 1995 feierte die KG ihr 70-jähriges Bestehen in einem großen Festzelt auf dem Zehnthofplatz. Der Höhepunkt der dreitägigen Feier war u.a. der Auftritt der “Pavaier” und “Bernd Stelter als Werbefachmann”. Das letzte große Ereignis, das 75-jährige Jubiläum, wurde vom 30.6. bis 2.7.2000 gefeiert. Am €”Rheinischen Abend” verwöhnten im ausverkauften Festzelt u.a. ”Fred van Halen”, de kölsche Schutzmann, Jörg Böhner und die ”Domstätter” mit ihren Darbietungen die Besucher. Als krönenden Abschluss gab es am letzten Tag einen großen Festzug durch Odendorf. Natürlich wurden nicht nur Jubiläen gefeiert. Seit nun über 50 Jahren finden in der närrischen Zeit Prinzenproklamationen, Prinzenbälle, Prunksitzungen, Kinderkostümfeste und Preismaskenbälle statt. Der Höhepunkt allerdings ist der Rosenmontagszug, der in Swisttal-Essig beginnt und in Swisttal-Odendorf endet. Danach freut sich wieder jung und alt auf die nächste Session. Nicht nur Narren aus Odendorf und aus den umliegenden Gemeinden bekennen sich zur KG; sogar in Dachau und Berlin wohnen Mitglieder.
|